Debatten nach klar festgelegten Regeln sind in der Wissenschaft üblich, wenn auch eher selten. In Wissenschaftsblogs läuft zum Schaden der ganzen Sache die Diskussion so manches mal aus dem Ruder. Dann ist Moderation gefragt.

Bevor ich zu möglichen Regeln komme, vorab ein kurzer Bericht, wie ich diese Form der Debatten auf Konferenzen positiv erlebt habe. Daraus leite ich minimal adaptierte Regeln für Wissenschaftsblogs ab.
Fast in Zeitlupe und zu den Klängen von “The Rose with the broken neck” betreten zwei Gladiatoren der Migränforschung, so scheint es, denn genau so wurden beide vom Moderator vorgestellt – die Hintergrundmusik besorgt den Rest –, die Bühne.
♫
Lonely I see
Lonely I lead
Lonely I feel
Lonely I bleed
Lonely I trust
And lonely I must
Be the rose with the broken neck ♫
Die nächsten 30 Minuten sind die auf sich gestellt.
Wir, knapp tausend, die von unten gespannt auf die Bühne schauen, müssen später mit dem Daumen den Sieger wählen. Ein elektronisches Abstimmungssysteme ist installiert: mit mobilen kleinen Endgeräten in unserer Hand (wie eine Fernbedienung) wird unsere Meinung sowohl am Anfangs als auch am Ende erneut erfasst und immer gleich auf dem großen Bildschirm angezeigt. Es geht natürlich nicht um Sieger sondern um Stimmungsbilder.
Die Kandidaten bemühen sich “ihre” These hart zu vertreten. Ich schreibe ihre in Anführungszeichen, denn oftmals erkennen sie die unklare Datenlage durchaus an. Sie wissen, der Sieger kann eigentlich nur mit Hilfe neuer Experimente und Daten ermittelt werden. Diese sind jedoch auf absehbare Zeit nicht verfügbar. Entscheidungen aber, zum Beispiel über zukünftige Forschungsgelder, für medizinische Richtlinien oder für andere bedeutende Fragen, müssen schon heute gefällt werden. Hier soll die Debatte mehr Transparenz schaffen.

Debatte um die strittige und letztlich aus Sicht der Datenlage unterbestimmte These: “Vascular Changes Have a Primarey Role in Migraine.”
Es geht nicht darum, den anderen zu überführen, also in allen Punkten zu entkräften. (Wenn dies möglich wäre, ist meist die Debatte von vorne herein scheinbar überflüssig – und doch manchmal ebenso nötig.)
Die Regeln
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Festlegung einer möglichst kontrovers gesehen aber thematisch genau und eng begrenzten These. Vorstellung der These und Kandidaten in einem Extrabeitrag in dem Moderationsblog (ein ganz normales Blog von einem unbeteiligten, beidseitig anerkannten Dritten, der für das Atmosphärische verantwortlich ist).
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Kurze PRO und CONTRA Blogbeiträge (identische Überschriften, meist die These, evtl. verkürzt mit PRO bzw. CONTRA Zusatz) in denen jeweils die eigene (oder die, die man für die Debatte annimmt) Position zugespitzt dargelegt wird. Kommentar-Funktion ist zu diesen Zeitpunkt ausgeschaltet.
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Nachfolgend ein geordnetes Kreuzverhör: jeder schreibt eine vorgegebene Anzahl von Nachfragen unter seinem Blogbeitrag und antwortet dann auf die des anderen ebenso in seinem Blog mit Wiederholung der Frage.
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Danach eine Möglichkeit der Nachfrage mit je einer Antwort. Modus wie in 3.
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Schlussplädoyers.
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Arena offen für alle. Kommentar-Funktion wird nun eingeschaltet. Alles ist wie immer, hauen und stechen mit Argumenten in den Kommentaren sind erlaubt, ja erwünscht. Üble Nachrede nicht.
Eine Abstimmung in Blogs ist, anders als bei einer begrenzten Zahl der Zuhörer bei Konferenzen, völlig abwegig, diesen Teil erfüllt zum einem Punkt 6. Diskussionen, die vor der Veröffentlichung der PRO und CONTRA Blogbeiträge stattfanden (z.B. in Blogs und wohl meist welche, die aus dem Ruder liefen) geben, zum anderen, das Stimmungsbild vor der Debatte wieder und entsprechen der ersten Abstimmung, so wie ich es auf Konferenzen erlebt habe. Ansonsten habe ich eigentlich gar nichts groß geändert.
Anmerkung
Dieser Beitrag entstand nicht allein aufgrund dieser Diskussion. Vielmehr war sie Anlass nun den Beitrag endlich fertig zu stellen. Ich sehe viele spannende Themen in Wissenschaftsblogs, die davon profitieren könnten.
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Modifiziert, Vorlage Public domain
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