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Graue Substanz

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie README.txt #3

Was gab es diese Woche im Biomedical Engineering? Skepsis, denn 
der Placeboeffekt blieb aus. 

In der Zeitschrift “Journal of Neurology, Neurosurgy & Psychiatry” 
wurde im April berichtet, dass bei Parkinson das ausgeprägte 
Rumpfvorneigung beim Stehen und Gehen sich durch Magnetstimulation 
im Bereich der Wirbelsäule (repetitive transspinale 
Magnetstimulation, rTSMS) verbessern lässt. Allerdings kamen 
sogleich Zweifel auf, ob diese Studie korrekt Placebo-kontrolliert 
ist, weil in der Kontrollgruppe gar kein Effekt verzeichnet wurde. 
Einen Placeboeffekt hätte man erwarten müssen! Die Kritik wurde in
einem redaktionellen Kommentar mit veröffentlicht.
 
Letzten Donnerstag wurde nun nochmal von dritter Seite in der 
selben Zeitschrift auf die Schwierigkeiten einer Schein- 
Stimulation hingewiesen. Diese liegen nicht nur bei der 
transspinalen (durch die Wirbelsäule zum Rückenmark) sondern 
ebenso bei der transkraniellen (durch die Schädeldecke zum 
Gehirn) Magnetstimulation vor. Sowie auch bei allen anderen 
angeblich nicht-invasiven Methoden und invasiven Methoden 
treten sie auf, weil jeweils das Vorhandensein oder Fehlen 
von Nebenwirkungen der Schein-Stimulation bzw. der 
Scheinoperation Teilnehmern relativ leicht verraten können, 
welche Behandlung sie erhalten hatten. 

Fazit: Es ist wichtig anzuerkennen, dass die richtige 
Verblindung sehr schwierig zu erreichen ist bei Neuromodulation.
Besser als Placebo ist gerade dann verdächtig, wenn der 
Placeboeffekt klein oder nicht vorhanden ist.

PS: Auch eine sehr hohe Ansprechrate legt allein keinen 
Wirkungsmechanismus nahe, wenn vor Eingriff die Placebogruppe 
selektiert wurde.