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Graue Substanz

Ändert sich künstliche Intelligenz sprunghaft, wird Bewusstsein digitalisierbar

Kann man menschliches Bewusstsein in einen künstlichen Körper verpflanzen?

Bewusstsein digitalisieren, das ist das Thema drüben im Boris Hänßlers Roberotorgesetze. Einige kurze Gedanken meinerseits, die schon seit Januar unfertig herumlagen.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Transhumanismus. Oder: Liberté, Égalité, Fraternité, Singularité. Die Fortsetzung revolutionärer Gedanken: Erst Adel zu Bürgern, 8bit Jahre später Menschen zu Maschinen. Oder will man umgekehrt Maschinen zu Menschen machen? Egal wie herum, denn so wird es nicht kommen. Zumindest nicht so schnell.

Intelligenz ändert sich sprunghaft: eine Singularität.

Beim Übergang von Wasser zu Eis tritt Kristallisationswärme auf. Es kommt zu einer sogenannten Singularität womit gemeint ist, dass gewisse Dinge sich sprunghaft ändern, zum Beispiel die Wärmekapazität. Es bot sich wohl an, diese Begriffe auch für eine Unterströmung des Transhumanismus  zu verwenden, dem Singularitarianismus, besser noch als Technologische Singularität bekannt. Bei dieser soll sich die Intelligenz sprunghaft ändern.

Warum 8bit Jahre?

2045 wird dies soweit sein, Mensch und Maschine verschmelzen. Dem zugrunde liegen Skalengesetze die ein exponentielles Wachstum nahe legen, wie das bekannte Mooresche Gesetz. Nun fiel mir neulich auf, dass 2045 genau 8bit Jahre, also 256 Jahre, nach der französischen Revolution liegt. Zufall? Ich glaube eher Ray Kurzweil (Bild links), der diesen Zeitpunkt extrapoliert hat, hat wohl bewusst nicht 2050 gewählt, um hier versteckt einen Hinweis auf die historische Verwandtschaft seiner Technischen Revolution zu legen. Würde zumindest passen.

Ideen waren damals Triebfeder: Liberté, Égalité, Fraternité. Ideen sind auch bei der nun prophezeiten Singularität zentral – und deswegen wird die Technische Singularität ausbleiben. Nur wenn sich wirklich künstliche Intelligenz sprunghaft ändert, ja divergiert, würde Bewusstsein eventuell wirklich digitalisierbar.

In einem TED Beitrag, den ich mir damals im Januar anschaute, kommt Ray Kurzweil auch auf diesen Punkt explizit zu sprechen:

If we come back to our exponential growth of computing,1,000 dollars of computing is now somewhere between an insect and a mouse brain.It will intersect human intelligence in terms of capacity in the 2020s, but that’ll be the hardware side of the equation. Where will we get the software?
[Wenn wir zurück zu unserem exponentielle Wachstum der Rechenleistung kommen, ist 1.000 Dollar Computing jetzt irgendwo zwischen einem Insekt und einem Gehirn der Maus. Es wird die menschliche Intelligenz in Bezug auf Kapazität in den 2020er Jahren schneiden, aber das wird der Hardware-Seite der Gleichung. Woher bekommen wir die Software? (Übersetzung M.A.D.)]

Das Problem der Softwareentwicklung wird sich aber nicht so mir nix dir nix dem Mooresche Gesetz unterwerfen. Es ist schlicht kein Ingenieursproblem, zumindest nicht in seinen zentralen Teilen. Im Beitrag „App ins Hirn“ habe ich das schon angesprochen und darauf hingewiesen, dass nämlich 2045 bei der App für’s Gehirn auf die Software bitte zu achten ist. In der Tat glaube ich an enorme Fortschritte auf der Software-Seite. Der Ironiemodus war hier also gar nicht an. Das ist genau mein Forschungsansatz im Bereich der Migräneforschung: bessere Software für Geräte jeder Art, die mit Gehirnaktivität interagieren können, z.B. der Migräne-Zapper.

Aber an ein digitales Bewusstsein glaube ich deswegen nicht. Zumindest noch nicht. Nicht 2045. Und zwar nicht aus grundsätzlichen Erwägungen. Sondern schlicht weil für Ideen das Mooresche Gesetz nicht gilt. Es gilt nicht für den kreativen Akt der Entwicklungen, die erst zu meistern wären.

Wenn wir es denn wollten.

 © 2012, Markus A. Dahlem